Neue Studienergebnisse beim fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Endometriumkarzinom
Auf dem ESMO-Kongress 2026 wurden zwei wichtige Phase-III-Studien zu fortgeschrittenem oder wiederkehrendem Endometriumkrebs vorgestellt. Während die Studie TroFuse-005/ENGOT-en23 eine neue Antikörper-Wirkstoff-Konjugat-Therapie (ADC) bei bereits vorbehandelten Patientinnen untersuchte, ging es in KEYNOTE-C93/ENGOT-en15 um den Einsatz einer Immuntherapie als erste Behandlung bei Tumoren mit einer bestimmten molekularen Eigenschaft. Die Ergebnisse geben Einblicke in neue Behandlungsmöglichkeiten für unterschiedliche Patientinnengruppen.
TroFuse-005/ENGOT-en23: Sacituzumab Tirumotecan nach vorheriger Behandlung
Bei Patientinnen mit fortgeschrittenem oder wiederkehrendem Endometriumkrebs, deren Erkrankung nach einer Chemotherapie und einer Immuntherapie weiter fortschreitet, besteht weiterhin Bedarf an wirksamen Behandlungsmöglichkeiten. Eine neue Option könnte das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Sacituzumab Tirumotecan sein. Es richtet sich gegen das Oberflächenprotein TROP2, das bei vielen Endometriumkarzinomen vermehrt auf den Tumorzellen vorkommt. Über die Bindung an dieses Protein soll der Wirkstoff gezielt in die Tumorzellen gelangen und dort seine zellschädigende Wirkung entfalten.
In der internationalen Phase-III-Studie TroFuse-005/ENGOT-en23/GOG-3095 wurde Sacituzumab Tirumotecan mit einer vom behandelnden Arzt/ Ärztin ausgewählten Standardbehandlung verglichen. An der Studie nahmen Patientinnen mit fortgeschrittenem oder wiederkehrendem Endometriumkrebs teil, die bereits mit einer platinbasierten Chemotherapie und einer Immuntherapie behandelt worden waren.
Die Ergebnisse zeigten einen Vorteil für Sacituzumab Tirumotecan: Nach zwölf Monaten lebten 29,4 Prozent der Patientinnen ohne Fortschreiten ihrer Erkrankung. In der Vergleichsgruppe waren es 12,4 Prozent. Auch die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung war im Durchschnitt länger: Sie betrug 7,2 Monate unter Sacituzumab Tirumotecan gegenüber 3,9 Monaten unter der Vergleichsbehandlung. Das entspricht einer Verringerung des Risikos für ein Fortschreiten der Erkrankung oder einen Tod um etwa 40 Prozent.
Auch beim Gesamtüberleben zeigte sich ein Vorteil. Nach zwölf Monaten waren 63,4 Prozent der Patientinnen in der Sacituzumab-Tirumotecan-Gruppe noch am Leben, verglichen mit 50,8 Prozent in der Vergleichsgruppe. Das durchschnittliche Gesamtüberleben lag bei 19 Monaten gegenüber 12,1 Monaten. Insgesamt wurde das Sterberisiko durch die Behandlung mit Sacituzumab Tirumotecan um etwa 32 Prozent reduziert.
Ein großer Teil der Studienteilnehmerinnen hatte einen sogenannten pMMR-Tumor. Bei diesen Tumoren funktioniert das sogenannte DNA-Mismatch-Reparatursystem grundsätzlich. Außerdem wiesen knapp 80 Prozent der Patientinnen eine mittlere oder hohe Ausprägung des Zielproteins TROP2 auf. Die Studienergebnisse sind deshalb insbesondere für die Frage interessant, ob TROP2 künftig dabei helfen könnte, Patientinnen auszuwählen, die von einer Behandlung mit diesem ADC besonders profitieren.
KEYNOTE-C93/ENGOT-en15: Pembrolizumab als erste Behandlung bei dMMR-Tumoren
Die zweite vorgestellte Studie untersuchte eine andere Behandlungssituation: den Einsatz von Pembrolizumab als alleinige Immuntherapie bei Patientinnen mit fortgeschrittenem oder wiederkehrendem Endometriumkrebs, deren Tumoren eine sogenannte dMMR-Eigenschaft aufweisen. Bei diesen Tumoren ist die Reparatur bestimmter Fehler im Erbgut der Zellen gestört. Dadurch können sich vermehrt genetische Veränderungen ansammeln, was sie unter anderem für eine Behandlung mit Immuntherapien empfänglicher machen kann.
In der Phase-III-Studie KEYNOTE-C93/GOG-3064/ENGOT-en15 wurde Pembrolizumab als alleinige Erstbehandlung mit einer platinbasierten Kombinationschemotherapie verglichen. Die vorgestellte Auswertung betrachtete das progressionsfreie Überleben nach 36 Monaten. Zu diesem Zeitpunkt lebten noch 52,8 Prozent der Patientinnen unter Pembrolizumab ohne Fortschreiten ihrer Erkrankung. In der Chemotherapiegruppe waren es 30 Prozent. Das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder einen Tod war unter Pembrolizumab damit um etwa 43 Prozent geringer.
Beim Gesamtüberleben zeigte sich ebenfalls ein numerischer Vorteil für Pembrolizumab: Nach 36 Monaten waren 70,7 Prozent der Patientinnen in dieser Gruppe noch am Leben, verglichen mit 62 Prozent unter Chemotherapie. Der Unterschied erreichte in der vorliegenden Auswertung jedoch nicht die vorab festgelegte statistische Signifikanz.
Bei der Interpretation dieser Ergebnisse ist eine Besonderheit des Studiendesigns wichtig: Rund 85 Prozent der Patientinnen, deren Erkrankung unter der Chemotherapie fortgeschritten war, erhielten anschließend ebenfalls Pembrolizumab oder eine andere Immuntherapie. Dadurch lässt sich der Unterschied beim Gesamtüberleben zwischen den beiden Behandlungsgruppen nur eingeschränkt beurteilen. Zusätzliche statistische Auswertungen, die diesen Wechsel der Behandlung berücksichtigten, deuteten auf einen größeren Überlebensvorteil für Pembrolizumab hin.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine alleinige Immuntherapie bei Patientinnen mit dMMR-Endometriumkarzinom eine wirksame Erstbehandlungsoption sein kann. Allerdings wurde in der Studie als Vergleich eine Chemotherapie ohne zusätzliche Immuntherapie eingesetzt. Diese entspricht nicht mehr dem aktuellen Behandlungsstandard, der sich seit Beginn der Studie weiterentwickelt hat. Das schränkt die Übertragbarkeit des direkten Vergleichs auf die heutige Behandlungssituation ein.
Weitere Studien untersuchen Kombinationen mit ADCs
Neben den Ergebnissen der beiden Phase-III-Studien wurden auf dem ESMO-Kongress auch weitere Entwicklungen in der Behandlung von Endometriumkrebs diskutiert. Ein Schwerpunkt liegt auf Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten, die künftig eine größere Rolle spielen könnten. Besonders wichtig wird dabei sein, geeignete Biomarker zu finden. Sie könnten helfen, die Behandlung gezielt auf die Eigenschaften des jeweiligen Tumors abzustimmen.
Mehrere laufende Studien untersuchen bereits Kombinationen aus ADCs und Immuntherapien. In der Studie TroFuse-033/GOG-3119/ENGOT-en29 wird Sacituzumab Tirumotecan zusammen mit Pembrolizumab als Erhaltungstherapie nach der Erstbehandlung geprüft. Die Studie BEHOLD-Endometrial02/GOG-3130/ENGOT-en33 untersucht das ADC Mocertatug Rezetecan in Kombination mit einer der beiden Immuntherapien Dostarlimab oder Pembrolizumab.
Die Studie DESTINY-Endometrial01/GOG-3098/ENGOT-en24 richtet sich an Patientinnen mit fortgeschrittenem oder wiederkehrendem Endometriumkrebs, deren Tumoren HER2 aufweisen und gleichzeitig pMMR sind. Hier wird Trastuzumab Deruxtecan in Kombination mit einer Immuntherapie untersucht. Weitere Studien prüfen ebenfalls den Einsatz von ADCs bereits in der Erstbehandlung.
Insgesamt verdeutlichen die neuen Ergebnisse, dass sich die Behandlung des fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Endometriumkarzinoms zunehmend weiter ausdifferenziert. Dabei spielen sowohl die molekularen Eigenschaften des Tumors als auch die bereits erfolgten Behandlungen eine wichtige Rolle bei der Auswahl geeigneter Therapien.
Quelle: ESMO 2026 (der Artikel ist auf Englisch)